Künstlertag und Eröffnung der Heimatstube

Feierlicher Moment in Lambrechtshagen, als Bürgermeister Holger Kutschke am dritten Januar-Sonntag ein blau-gelbes Band durchschneidet. Die Heimatstube im Gemeindezentrum ist eröffnet. Ein großes Schild – auch mit den Wappen-Farben blau und gelb – weist nun den Weg zu einer Ausstellung über die Geschichte des Dorfes und seiner Ortsteile.

Seit mehr als einem Jahr hatte eine Sparte des Vereins To Hus in Lambrechtshagen e.V. im Obergeschoss gewerkelt, einen verkramten Abstellraum komplett neu hergerichtet und präsentiert nun anschaulich die Entwicklung des Ortes mit Fotos, Dokumenten, Büchern und dem, was viele Bewohner in Schubladen, auf Böden und Kellern noch gefunden und beigesteuert haben.

Eine alte Schulbank ist zu sehen, Lieder- und Schulbücher aus DDR-Zeiten, ein Spinnrad, Bügeleisen, eine alte Bibel, Emaille-Milchkannen, eine Mandoline sowie ein originaler Grenzstein erinnern an die Vergangenheit.

Der ganze Stolz ist die Fahne eines Vereins, der sich 1902 gegründet hatte und sich um Hinterbliebene in der Gemeinde kümmerte. Das alte Tuch wurde in letzter Minute vor dem Zerfall gerettet und ist nun hinter schützendem Glas zu sehen.

„Es war wirklich schon fünf vor zwölf“ erinnert sich der Chef der kleinen, engagierten Vereinssparte „Heimatstube“, Joachim Köpcke. Die Fahne wurde von der Textildesignerin Susanne Buch restauriert. „Das war ein Glücksgriff“, wird die akribische Arbeit der Künstlerin nun von allen Seiten gelobt. Zwei Monate habe sie an der Fahne gearbeitet, sagt die Restauratorin bei der Eröffnung.  Zudem ist auf einer Sponsoren-Liste festgehalten, wer finanziell zum Erhalt des historischen Stücks beitrug.

„Wir sind schon ein bisschen stolz“, sagt Herr Köpcke zu dem, was hier in vielen ehrenamtlichen Stunden entstand. Angedacht ist nun, die Ausstellung einmal im Monat zu öffnen. Schulklassen seien auch willkommen. Die sollten sich am besten anmelden (Telefonnummer, Mailadresse?).

Bürgermeister Kutschke freut sich über die Initiative: „Die Ausstellung ist super geworden – ein Highlight.“ Lambrechtshagen lebe gerade auch durch die Ehrenamtlichen. „Wir können hier zusammen etwas gestalten.“

Und so könnte aus der einen Heimatstube eines Tages ein kleines Museum werden, hoffen etliche aus dem Verein. In einem zweiten Raum gleich neben der Heimatstube soll die Geschichte der Landwirtschaft beleuchtet werden. Auch dafür haben Einwohner schon Etliches von früher vorbeigebracht.

Es gibt weitere Überlegungen für die Zukunft: Da die Heimatstube jetzt nur über ziemlich steile Stufen zu erreichen ist, wäre doch ein Treppenlift für ältere Besucher im Gemeindezentrum recht hilfreich, ist zu hören.

In der Heimatstube zieht auch die Mandoline in einer Glasvitrine die Blicke auf sich. Das Instrument wurde von der früheren Lehrerin Renate Steinman 1988 gerettet. Ansonsten wäre das Stück im Müll gelandet, als die Schule geschlossen wurde. Nun hat die über Achtzigjährige die Mandoline der Öffentlichkeit übergeben.

An dem Sonntag kamen viele Besucher in das Gemeindezentrum in Lambrechtshagen. Nicht nur die neue Ausstellung zog das Interesse auf sich: Der Gemeindesaal war an dem grauen Sonntag eine farbenprächtige Kunstmeile mit vielen Bildern, die kreative Dorfbewohner selbst gestaltet hatten. Angeboten wurden bei dem mittlerweile vierten Künstlertag auch Holz- und Filzarbeiten, Keramik, Steinbilder und Blumenarrangements. Für Kinder gab es Basteleien. Das Spektrum werde immer größer, gemeinschaftliches Engagement ebenso, freuen sich der Bürgermeister und Vereinsvorsitzende Margrit Büchholz.

Autor: Jutta Schütz